Start geglückt - Erster junger Wanderfalke verlässt den Horst
Nach Brut und 40 Tagen Jungenaufzucht15.05.2026-021
Dieses Jahr hat bei den Wanderfalken im Sinwellturm der Nürnberger Kaiserburg (fast) alles geklappt. Abgesehen von einem Ei, das verschlossen blieb, sind aus den drei anderen Eiern Küken geschlüpft, die sich in den letzten rund 40 Tagen zu prächtigen Jungvögeln entwickelt haben – zwei Weibchen und ein Männchen.
Heute Morgen hat der erste von ihnen den Horst verlassen. Am Anfang sieht das vielleicht noch etwas unbeholfen, vielleicht auch nach einem Absturz aus, doch ist es nicht weiter gefährlich. Das voll ausgebildete Jugendkleid der jungen Falken trägt sie problemlos im Gleitflug. In den Tagen danach ist ihre Muskulatur noch nicht ausreichend, um wieder zum Horst zu fliegen, sodass sie sich die ersten Tage unterhalb des Anfluggitters oder auf den Dächern der näheren Umgebung aufhalten. Dort werden sie nach wie vor von den Altvögeln mit Nahrung versorgt und trainieren weiter fleißig ihre Flugmuskulatur. Nach kurzer Zeit sind die jungen Falken stark genug, um auch wieder in den Horst zu fliegen. Doch damit sind sie immer noch nicht ganz selbstständig. Eine wichtige Fähigkeit fehlt ihnen noch, um für sich sorgen zu können: das Jagen. Im Sturzflug, bei dem Wanderfalken bis zu 320 km/h schnell werden können, fangen sie ihre Beute. Um diese Flugmanöver zu trainieren, müssen die jungen Wanderfalken kräftig genug sein, um längere Zeit in der Luft zu bleiben. Können sie das, lernen sie zuerst das Fangen der Beute im Flug. Dafür lassen die Altvögel bereits geschlagene Beute fallen, die die Jungvögel anschließend ergreifen müssen. Mit etwas Glück ist so eine Trainingseinheit mit teilweise spektakulären Flugmanövern auch in der Nähe der Kaiserburg zu beobachten. Ab Ende Juli/ Anfang August können die Jungfalken dann auch lebendige Beute selbstständig jagen und machen sich auf die Suche nach einem eigenen Revier. Teilweise fliegen sie dafür Richtung Spanien und Portugal, teilweise Richtung Tschechien und Polen und manche bleiben auch in Deutschland. Die Altvögel, zumindest die der Kaiserburg, bleiben in der Nähe des Horstes und sind im Laufe des Sommers und Herbsts immer wieder dort zu beobachten, bis dann Ende des Jahres erneut die Balz beginnt.
Doch auch neben den Wanderfalken gibt es im ‚Lebensraum Burg‘ viel zu entdecken! Verschiedene Pflanzen versuchen durch ihre Blüten oder ihren Duft Insekten anzulocken, weitere Vogelarten gehen im Burggelände auf Nahrungssuche, um ihren Nachwuchs zu versorgen und auch Fledermäuse jagen nachts nach Faltern und anderen Insekten. Mehr als 2.000 Tier- und Pflanzenarten tummeln sich auf dem etwa 65 ha großen Burggelände. Wer Interesse hat diese erstaunliche Vielfalt kennenzulernen, kann sich gerne zu einer der Führungen in den kommenden Monaten anmelden. Im Mai finden eine Führung zu Insekten und eine zur Artenvielfalt allgemein statt, im Juli zwei Führungen zu Fledermäusen. Weitere Informationen sowie die Anmeldemöglichkeit finden Sie auf der Projektwebsite www.lebensraum-burg.de. Lassen Sie sich von der städtischen Vielfalt begeistern und lernen Sie die Burg von einer neuen Seite kennen!
